Schon im Jahr 2013 wur­de im sozia­len Netz­werk Face­book eine regel­rech­te Jagd auf einen ehe­ma­li­gen "Kin­der­schän­der" gestar­tet, nach­dem er sei­ne Haft­stra­fe ver­büßt hat­te und in sein Eltern­haus in Seli­gen­stadt zurück kehr­te. Die­se Hetz-Kam­pa­gne wur­de durch eine ent­spre­chen­de Face­book-Grup­pe und "Mahn­wa­chen" vor dem Haus des Betrof­fe­nen beglei­tet.

Draht­zie­her bzw. Betei­lig­te die­ser Akti­on waren Dani­el B. und Hei­ko T. Und schon damals befürch­te­te die Poli­zei offen­bar Über­grif­fe von­sei­ten der auf­ge­putsch­ten Anwoh­ner und über­wach­te das Haus des Kin­der­schän­ders des­halb genau.

Eine ähn­li­che Situa­ti­on mit zum Teil glei­chen Akteu­ren fin­det nun seit eini­ger Zeit wie­der auf Face­book statt. Dort exis­tie­ren diver­se Hetz-Sei­ten mit dem Fokus auf Seli­gen­stadt, die ein­deu­tig eine men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie ver­brei­ten.

Jedoch bezie­hen sich die­se Inter­es­sen­grup­pen nur ober­fläch­lich auf die Ört­lich­keit Seli­gen­stadt, da die meis­ten Bei­trä­ge und Kom­men­ta­re über­wie­gend durch Fake-Accounts, u.a. mit Namen von ver­stor­be­nen NS-Grö­ßen usw. oder Orts­frem­den erstellt wer­den.

Eben­so wer­den dort pri­mär Bei­trä­ge ein­ge­stellt, die ein­deu­tig diver­se (Bun­des-) Poli­ti­ker ver­un­glimp­fen und all­ge­mein als aus­län­der­feind­lich ein­zu­stu­fen sind.

So wird zum Bei­spiel jeder noch so erdenk­li­che Vor­fall, an dem ein Mit­mensch mit "dunk­le­rem" Teint betei­ligt ist, als die Tat eines Flücht­lings oder gene­rell als die eines Aus­län­ders ein­ge­stuft.
Wobei die nach­fol­gen­den Kom­men­ta­re zu den Bei­trä­gen eine noch weit­aus schär­fe­re und aggres­si­ve­re Wort­wahl an den Tag legen.

Im Jah­re 2013 rich­te­te sich der Hass gegen einen tat­säch­li­chen Straf­tä­ter, auch wenn die­ser sei­ne Stra­fe ver­büßt hat­te, jetzt wer­den unter ande­rem Unschul­di­ge als poten­zi­el­le Straf­tä­ter hin­ge­stellt.

Wohin solch eine Denk­wei­se füh­ren kann, ist bereits geschicht­lich belegt.

Und dass die Mehr­heit der Seli­gen­städ­ter Bür­ger weit­aus posi­ti­ver denkt und han­delt zeig­te sich am Abend des 11.10.2016 im Orts­teil Klein-Welz­heim. Dort fand ein Infor­ma­ti­ons­abend zum The­ma "Flücht­lings­si­tua­ti­on in Klein-Welz­heim" [2] statt, wel­cher von ca. 100 Besu­chern inter­es­siert und fra­gend genutzt wur­de. Zu den Refe­ren­ten zähl­ten u.a. Bür­ger­meis­ter Dr. Dani­ell Bas­ti­an, Bur­kard Mül­ler (Koor­di­na­tor und Spre­cher des Arbeits­krei­ses (AK) Will­kom­men in Seli­gen­stadt), Chris­ta Geh­rig (Bereichs­lei­tern der Cari­tas), der Flüch­t­ing Ahmed aus Syri­en mit sei­ner Haus­pa­tin Mar­lies Sie­ber und ers­te Stadt­rä­tin Clau­dia Bicherl, als Ord­nungs­de­zer­nen­tin für Flücht­lings­fra­gen zustän­dig, sowie meh­re­re Stadt­ver­ord­ne­te.

Dass sich die kru­de Ideo­lo­gie diver­ser Draht­zie­her nur in den sozia­len Netz­wer­ken ver­brei­tet zeig­te sich gera­de auf die­ser Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung, bei dem die ver­schwin­dend gering und eigent­lich groß ange­kün­dig­ten "besorg­ten Bür­ger" sich wäh­rend der Ver­an­stal­tung nicht zu Wort mel­de­ten und somit einer Dis­kus­si­on mit der Öffent­lich­keit aus dem Weg gin­gen, wobei sie ja gera­de dort kom­pe­ten­te Ansprech­part­ner für ihre Fra­gen vor­ge­fun­den hät­ten.

Somit wur­de eine gro­ße Chan­ce ver­tan, mit der sie ihre "wich­ti­gen" und "besorg­ten" Anlie­gen hät­ten vor­brin­gen kön­nen. Anschei­nend klappt dies dann doch nur unter dem Deck­man­tel der Anony­mi­tät des Inter­nets, was ja tag­täg­lich auch so bestä­tigt wird.

Und auch wenn die­se Grup­pe auf Face­book & Co einen ver­meint­lich gro­ßen Zulauf hat, so wer­den sich jedoch die Seli­gen­städ­ter von die­ser Men­schen­ver­ach­tung nicht beein­flus­sen las­sen und ihre Will­kom­mens­kul­tur wei­ter pfle­gen.

Und dar­an wird sich auch nichts ändern!


Quel­len:
- op-online.de [1], [2]
- welt.de
- bild.de


Info: Das Deut­sche Wör­ter­buch [1] [2] führt die Bezeich­nung „Kin­der­schän­der“ nicht […] jedoch fin­det die Bezeich­nung unter ande­rem in neo­na­zis­ti­schen Krei­sen als Schlag­wort Ver­wen­dung, oft im Zusam­men­hang mit der For­de­rung nach „har­ten“ Stra­fen für sol­che Straf­ta­ten, etwa Todes­stra­fe und Zwangs­kas­tra­ti­on. Dar­über hin­aus fin­den sie auch in man­chen Mas­sen­me­di­en wei­te Ver­brei­tung. Quel­le: Wiki­pe­dia

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